Hawaii Teil 2

 

Hawaii

 

Hawaii als (persönlichen) Weiterbildungsort? Ja, denn die Inselgruppe mitten im pazifischen Ozean hat mehr als nur Sonne, Strand und Meer zu bieten. Ich jedenfalls bin begeistert von ihrer Vielfältigkeit und den verschiedensten Lernmöglichkeiten in allen Lebensbereichen. Die Anreise erfolgt mit dem Flugzeug, meist mit einem Zwischenstopp in Los Angeles oder San Francisco. Es gibt keine Direktflüge ab Zürich.

 

Oahu:

 

Wer auf Oahu (der Hauptinsel) landet, erkennt nebst dem himmelblauen Meer als erstes die Berge in der Mitte der Insel. Diese sind anders als bei uns bis auf die Gipfel grün bewachsen. Begibt man sich dann in Richtung Waikiki, dem vermutlich bekanntesten Strand auf der ganzen Welt, ist man ob der Grösse der Stadt Honolulu überrascht. Die Skyline bietet riesige Wolkenkratzer und China Town schafft es, dass man sich bei Dunkelheit äusserst unwohl fühlt, da sich extrem viele skurrile Gestalten auf und neben der Strasse tümmeln. Sogar die Busfahrerinnen liessen mich nicht gerne alleine aussteigen und versicherten sich, ob ich denn auch wirklich verstanden habe, wo ich auf meinen Anschlussbus warten soll. „The Bus“ ist übrigens ein geniales Transportmittel auf Oahu. Eine Fahrt kostet $ 2.75, eine Tageskarte $ 5.50 und eine Monatskarte $ 80.-. Rückgeld gibt es beim Billettlösen leider nicht, also immer den passenden Dollarbetrag in der Tasche dabei haben. Das Bussystem ist sehr gut ausgebaut, ausser wenn man entfernt von Honolulu lebt, dann ist abends bald einmal der letzte Bus weg. Für jede Busfahrt empfehle ich eine Jacke und einen Schal mitzunehmen, denn die Chauffeure kühlen ihr Gefährt auf gefühlte Minustemperaturen runter. Auch ständiges Husten und Niesen ermuntert den Chauffeur nicht, die Klimaanlage etwas Europäer-freundlicher einzustellen.

 

Meine Highlights auf Oahu waren nebst dem Besuch der Sprachschule Global Village, organisiert mit freundlicher Unterstützung von www.linguista.ch, folgende Punkte:

 

1.       Das Städtchen Haleiwa im Norden ist perfekt für einen gemütlichen Spaziergang. Ohne Stress alle verschiedenen Angebote von Souvenirs über Essstände bis zu bekannten Fotostationen (z.B. angel wings) anschauen und sich vom ländlichen Charme begeistern zu lassen.

 

2.       Die Nordküste ist vor allem in den Wintermonaten ein Surfer-Hotspot, da hier die riesigen Wellen entstehen und die Surf-Meisterschaften stattfinden. Ein genaues Datum kann einem aber niemand sagen, nur der Zeitraum, an dem die Wettkämpfe stattfinden.

 

3.       Auf dem Rückweg bei der Green Coffee Farm stoppen und einen Frozen Macchiato bestellen. Dieses Ding made my day. Oder besser gesagt, made my week. Eigentlich ist es eine Art Eiscafé, kommt aber viel cremiger daher und ist in einem Wort gesagt, fantastisch. Er wird in einem nachhaltigen Becher mit Röhrli serviert.

 

4.       Macademia Nut Farm: Auch diese Farm ist einen Besuch wert. Das Schild an der Strasse ist sehr klein, aber wenn man sich zuhause gut auf den Weg vorbereitet hat, ist es nicht zu verpassen. Man wird mit einem warmen Aloha begrüsst, bekommt echten Kona-Kaffee zum Probieren (Trinkgeld wird gerne gesehen) und man darf sich durch alle Macademia-Nuss-Kreationen durchprobieren. Meine Lieblinge waren die Nüsse mit Caramelgeschmack, dicht gefolgt vom Kaffeegeschmack. Im Hinterhof kann man Macademia-Nüsse selber auf einem grossen Stein knacken, dies ist vor allem für Kinder ein tolles Erlebnis. Natürlich werden auf dieser Farm auch andere lokale Produkte angeboten, zum Beispiel frische Kokosnüsse. Ich konnte diesem Angebot nicht widerstehen und bekam zu meiner Kokosnuss noch apple-bananas, weil dann die Kokosnuss umso besser schmecke. Hier ist der Kunde König, was wohl das erfolgversprechendste Rezept überhaupt ist.

 

5.       Auf Oahu gibt es wie auf allen anderen Inseln extrem viele Wanderungen. Allerdings sind die meisten Wanderwege mehr Trampelpfade als wirkliche Wege. Da es auf Oahu (je nach Region) fast täglich regnet, sind diese extrem rutschig und ich empfehle dringendst einen guten Schuh mit einer starken Sohle anzuziehen. Trotzdem- Wanderungen sollte man machen, denn auf den Hügeln oder Gipfeln wird man mit einer atemberaubenden Sicht belohnt. Meine Lieblingsstrecke war der kurze aber intensive Weg auf den Koko-Head. Über 1000 Stufen führen zum Krater auf 196 Meter über Meer. Sonnenauf- und Untergänge sind jeweils sehr schön.

 

6.       Der Waikiki-Beach ist der bekannteste Strand, aber nicht unbedingt der schönste. Für mich war er aber der perfekte Einsteigerort für das Surfen. Der Ozean ist wie überall auf der Welt unberechenbar und ich empfehle daher, immer die Vorhersagen abzuchecken. Eine Stunde Surfen reicht für Anfänger übrigens völlig aus, denn das ewige Paddeln ist für Ungeübte eine enorme Anstrengung (auch für kräftige Ärmlein wie meine). Trotzdem- es fühlt sich fantastisch an, wenn man eine Welle erwischt und diese fast bis zum Strand reiten kann. Es ist vergleichbar mit dem Gefühl, wenn man auf einem Pferd im gestreckten Galopp über eine verschneite Wiese reitet.

 

Kauai:

 

Die Garteninsel besticht mit ihrer fantastischen Natur. Kauai ist die älteste der bekannteren Hawaii-Insel und somit auch die nordwestlichste. Alle Hawaii-Inseln sind Schildvulkan-Inseln, da sich dort mitten in der pazifischen Platte ein Hot-Spot befindet. Durch die Verschiebung der Platten werden die Inseln in nordwestlicher Richtung verschoben und es entstehen immer wieder neue Inseln auf dem Meeresboden. Die nächste Insel sollte in ca. 10‘000 Jahren die Meeresoberfläche erreichen.

 

Ich bin auf Kauai täglich gewandert, von kleineren aber nicht minder anstrengenden Touren bis über 12km lange Wanderungen habe ich alles ausprobiert. Auf dieser Insel sollte man ein Mietauto haben, um zumindest etwas mobil zu sein. Meine Lieblingsorte auf Kauai:

 

1.       Napali-Küste: Diese Küste ist nur per Wasser oder Luft erreichbar. Sie ist eine der meistfotografierten Küsten auf der Welt- wer sie gesehen hat, weiss auch, warum. Ich empfehle eine Sonnenuntergangs-Bootstour, denn hier kann man wirklich einfach zurücklehnen und geniessen. Man bekommt vom Kapitän sehr interessante Informationen über die Region, die Kultur und die Geschichte von Kauai.

 

2.       Der Canyon: Dieses Landschaftswunder begeisterte mich schon von weitem. Der Canyon ist extrem eindrücklich, ich weiss nicht, ob es nur die Form ist, oder auch die Farbe, oder einfach alles zusammen. Es ist auf jeden Fall etwas, das ich vorhin noch nie gesehen hatte. Die Fahrt bis ans Endes des Canyons ist lange, aber man bekommt immer wieder neue Schönheiten zu Gesicht, wie beispielsweise der red dirt waterfall, was die Fahrt etwas kurzweiliger macht.

 

3.       Queen’s bath: Das Queen’s bath ist ein natürliches Gezeitenbecken, welches für mich magisch war. Vor dem Besuch checkte ich die Meereskonditionen online, da ich wusste, dass es im Winter sehr gefährlich sein kann und schon mehrmals Leute weggespült wurden. Wir hatten Glück, denn die Bedingungen waren perfekt- also fuhren wir frühmorgens los, erwischten gleich noch den letzten freien Parkplatz und machten uns auf den Weg. Natürlich war dieser schlammig-rutschig wie immer, aber mittlerweile waren wir ja Profis und wir wussten, dass wir uns die Mühe schon gar nicht machen müssen, uns auf die Sauberkeit der Schuhe zu achten… Das Queen’s Bath war noch leer, also nutzte ich die Gunst der Stunde und schwamm mit den Fischen eine Runde. Es war ein extrem tolles Gefühl, in dieser riesigen Naturbadewanne zu schwimmen. Doch schon kurz danach war das Becken voll mit weiteren Touristen. Gleich daneben erkannten wir viele wilde Schildkröten im offenen Ozean, die sich im Wasser treiben liessen.

 

Maui: Die meisten Leute kennen Maui von den Super-Promis, die sich hier an den schönen Stränden der Luxushotels ablichten lassen. Zum Glück sind die Strände in Hawaii unverkäuflich, deswegen kann auch Otto-Normalverbraucher an allen Stränden baden und sonnen. Meine Higlights auf Maui:

 

1.       Der Haleakala ist der grösste Berg von Maui, er ist ein schlafender Vulkan. Auf dem Gipfel sieht es aus wie auf dem Mond, da die Kraterlandschaft übersät ist mit kleineren Hügeln und speziellem Sand, der rötlich schimmert. Die Vegetation ist spärlich, die Luft kalt, trocken und dünn und die Wanderungen unter diesen Bedingungen sehr anstrengend. Das Wasser muss man im Rucksack dabei haben, es gibt kein Trinkwasser auf dem Berg. Ein Besuch lohnt sich hier aber alleweil, da es erneut eine Landschaft ist, die man sonst nirgends auf der Welt findet. Wer übrigens den Sonnenaufgang vom Gipfel sehen möchte, der muss 60 Tage im Voraus reservieren. Für mich war aber auch der Sonnenuntergang kalt genug.

 

2.       Road to Hana: Hana ist ein ruhiges Dörfchen, der serpentinenhafte Weg dahin vielfältig und sehr lange. Auch da empfehle ich, sich zuhause die Stopps herauszuschreiben, die man machen möchte. Wer nur auf der Strasse bleibt, bekommt sehr wenig mit. Ich bin ein Fan vom Blacksandbeach und Redsandbeach, welche man entlang dieser Strasse findet. Beide Strände sind einzigartig und unglaublich schön. Übrigens sollte man unterwegs auch ein Bananenbrot kaufen, um sich kulinarisch etwas weiterzubilden.

 

3.       Maui hat wirklich auch sehr schöne weisse Sandstrände zu bieten- meine Favoriten waren der Big Beach und der Little Beach. Der Big Beach ist wirklich „big“ und sieht aus wie auf einer Postkarte- auch ohne Filter. Dieser war so schön, dass wir sogar unser Tagesprogramm spontan anpassten und noch eine Schwimmrunde anhängten. Der Little Beach entpuppte sich als Nacktstrand, hatte aber von den natürlichen Begebenheiten her einen unglaublichen Charme.

 

4.       Buckelwale: Auf Maui hat man vermutlich die besten Chancen, die Buckelwale in den Wintermonaten zu sehen. Imposant sind nur schon ihre Fontänen, die beim Ausatmen entstehen. Auf einer Walbeobachtungstour (am idealsten mit der non-profit-Organisation Pacific Whale Foundation) kommt man dann den Tieren viel näher. Leider haben wir die Wale nie in der Nähe springen sehen, aber eine Mutter mit ihrem Pick-up-Wagen grossen Kalb schwamm etwa 3 Meter vom Boot entfernt vorbei- ein unvergessliches Erlebnis für eine Tierliebhaberin wie mich. Mit einem speziellen Mikrofon konnten wir ausserdem die „Gesänge“ der Wale hören.

 

 

 

Big Island

 

Big Island ist grösser als alle anderen Hawaiianischen Inseln zusammen. Dementsprechend viel Zeit verbringt man im Auto- mit einer guten Planung wird aber auch da die Fahrtzeit zu einem Erlebnis. Big Island ist meine absolute Lieblingsinsel, da sie einfach alles und noch viel mehr zu bieten hat. Nur schon die 11 von 13 Klimazonen sind genug Stoff für eine Geografie unterrichtende Lehrerin…

 

1.       Der Vulkan ist das beeindruckendste Geschöpf überhaupt. Zu wissen, dass dieser vor wenigen Monaten ausgebrochen ist, 700 Häuser unter sich begrub und über 2000 Menschen von einem Moment an auf den andern auf die Strasse setzte, lässt zumindest mir das Herz bis zum Hals schlagen. Dass wir dann 3 Kilometer vom Vulkan entfernt bei einer Flugzeugbekanntschaft (das ist wohl DAS Aloha) wohnten, machte die Sache nicht besser. Umso faszinierter war ich aber von den Leuten, die dort sesshaft sind und Hand in Hand mit dem Vulkan leben. Sie sehen den Vulkan irgendwie nicht als Bedrohung. Beim Besuch des Nationalparks ging es weiter mit den faszinierenden Eigenheiten des Vulkans. Da hat es neue Spalten, aus denen heisser Dampf entweicht. Den Krater kann man von der Nähe aus beobachten, dieser ist bei der letzten Eruption stark abgesackt und hat sich riesig vergrössert. Die Eruption hat ebenfalls einen neuen Strand an der Küste kreiert, diesen konnten wir bei der Eröffnung besuchen. Neben dem Strand sind die grossen erkalteten Lavaströme zu sehen. Diese Naturgewalt ist unglaublich beeindruckend, beängstigend und faszinierend zugleich.

 

2.       Green sand beach: Auf der ganzen Welt gibt es 4 grüne Sandstrände, einer davon befindet sich im Süden von Big Island. Die Wanderung auf dem Sand, der einem vom Wind richtig fest ins Gesicht peitscht wird, dauert über eine Stunde und ist alles andere als angenehm. Aber wie so oft im Leben lohnt sich auch hier der Effort- denn der grüne Strand ist wirklich unglaublich schön. Auch wer keine Badekleider dabei hat, geht dort ins Wasser, die Verlockung ist einfach zu gross.

 

3.       Schnorcheln: Auf allen Inseln sollte man die Schnorchel-Ausrüstung jeweils dabei haben, auf Big Island auf jeden Fall. Ich habe nirgends so viele verschiedene Fische gesehen wie an diesen Stränden. Das Boogie-Boarden mit einer Schildkröte neben mir war übrigens auch keine Seltenheit.

 

4.       Die Menschen auf Big Island sind sehr gastfreundlich und lieben den Austausch mit Gästen. Auf der Suche nach dem Spirit von Hawaii, kommt man auf dieser Insel wohl am besten auf die Spuren dieses Rätsels. Das Aloha wird hier nicht nur gesagt, sondern auch gelebt.

 

Allgemeine Tipps für Hawaii-Reisende:

 

-          Eine gute Vorbereitung ist die halbe Reise: Unbedingt planen, was man sehen möchte und auch schlechtwetter-Varianten dabei haben.

 

-          Nie ohne Schirm oder Regenschutz (und Sonnenschutz) aus dem Haus

 

-          Immer genügend Flüssigkeit dabei haben (das Wasser ist Trinkwasser, aber oft stark chlorhaltig)

 

-          An den meisten Orten kann man problemlos mit einer Kreditkarte bezahlen, ausser im Bus und an den farmer’s markets

 

-          Einkaufen am besten lokal, die farmer’s markets sind bekannt und ein grosses Erlebnis. Frischer geht es nicht mehr

 

-          Typisches Hawaiianisches Essen hat mich nicht überzeugt, aber die Fische und weitere Meereskreaturen sind hier so frisch, dass man sie fast essen muss

 

-          Auf allen Inseln ausser Oahu empfehle ich ein Mietauto zu wählen.

 

-          Die Übernachtungen würde ich online buchen, entweder in günstigeren Hostels oder sonstigen Angeboten. Die Hotels sind relativ teuer.

 

-          Maps.me ist eine App, die auch ohne Wireless funktioniert und einem meistens problemlos durch alle Strassen zum Ziel führen kann.

 

-          Flüge/Mietauto/Übernachtung so früh wie möglich buchen, die Preise steigen an, je kurzfristiger man buchen möchte

 

-          Aktivitäten ebenfalls früh buchen, oft ist die Platzzahl beschränkt

 

-          Sich an die Gesetze halten

 

-          Bei der Rückkehr Erholungszeit für den Jetlag einplanen

 

-          Viel mit den Leuten sprechen, die man antrifft- so bekommt man die besten Insider-Tipps

 

-          Offen sein

 

-          Der Ozean ist kein See und birgt Gefahren, NIE dem Ozean den Rücken zuwenden und im Zweifel nicht baden gehen.